Tierlihuus Aarwangen 1767

Unmittelbar westlich des Bahnhofs Aarwangen steht das denkmalgeschützte Tierlihuus: Ein 1767 für den Menageriebesitzer Jakob Egger erbauter, mächtiger Rieg- und Ründebau. Das Besondere am Haus – und daher auch der Name – ist die einzigartige farbige Ausmalung der Riegfelder und der Ründe: Exotische Tiere, Greifvögel und orientalische Stadtszenen schmücken die Hausfassade.

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Geschichte zum Tierlihuus Aarwangen

Hans Jacob Egger war am 11. April 1697 geboren. Er war der jüngste Sohn des Hans Jakob Egger und der Anna Hartmann und hatte zwei ältere Brüder (Samuel und Niklaus) und eine ältere Schwester (Anna).

Aus alten Überlieferungen entnehmen wir das Jacob Egger ein Menageriebesitzer war und bereits mit 19 Jahren ab 1716 mit seinen wilden und exotischen Tieren während rund 50 Jahren durch alle Länder Europas zog. Mit der Schaustellung seiner Tiere verdiente er nicht nur sein Unterhalt, sondern konnte nebenbei ein Vermögen von 18’000 Pfund ersparen. In Budapest machte er "kei Mönsch cha säge wie" die Bekanntschaft einer gräflichen Familie. Die gestaltete sich so intim, dass Jacob in den Besitz des streng gehüteten Balsam-Rezepts gelangte. Am 25 Januar 1759 heiratete er seine deutlich jüngere Frau Anna Kohler, geboren 1725. Mit Ihr hatte er vier Töchter (Maria Anna Theresia, Marie Anna, Anna Barbara, Anna Susanne) und einen Sohn (Jacob Egger). In den Taufrodel der Kirchgemeinde Aarwangen ist zu entnehmen, dass diese Kinder oft erst Jahre später eingetragen wurden. Gut möglich nach einem Heimataufenthalt.

Als 70-jähriger Mann entschloss sich der Menageriebesitzer, seinen Lebensabend in Aarwangen zu geniessen. An der Leibziger Messe verkaufte er all seine Tiere. Da er wohl Angst hatte, das Geld könnte ihm auf seiner Rückreise gestohlen werden, tauschte er es gegen allerhand wollene Tücher aus Sachsen ein. Daheim musste er diese Tücher wieder zu Geld machen und suchte beim Kommerzienrat um Bewilligung zu einem Kramladen nach. Da zu dieser Zeit in Aarwangen schon etliche Kramerläden bestunden, erhielt Jacob Egger die Bewilligung, seine Tücher während 2 Jahren in Langenthal zu verkaufen. 1767 lies (Hans) Jacob Egger das auch heute noch wertvolle und wunderschöne Tierlihaus im Aarwangener Dorfzentrum an der Hauptstrasse bauen. Nicht ganz klar ist, ob die Bemalung der Fassade noch durch (Hans) Jacob Egger, der Menageriebesitzer, oder bereits durch dessen Sohn Jacob Egger in Auftrag gegeben wurde. Aus einigen Dokumenten geht hervor das es der Menageriebesitzer selber war und in anderen Schriften ist zu entnehmen, dass die Bemalung durch seinen Sohn zu ehren des Vaters veranlasst wurde. Denn Hans Jacob Egger der Menageriebesitzer verstarb am 20. September 1771.

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Geschichte Aarwangener Balsam

In Budapest machte Hans Jacob Egger "kei Mönsch cha säge wie" die Bekanntschaft einer gräflichen Familie. Die gestaltete sich so intim, dass Jacob in den Besitz des streng gehüteten Balsam-Rezepts gelangte. Im April 1771 sante er ein Muster des Balsam an den Rat von Bern und ersuchte um eine Fabrikationsbewilligung. Das Inselkollegium, das den betreffenden Balsam zu prüfen hatte, teilte seinen Befund am 29. April dem Rat mit:

"MeHuwh. des Collegii Insulani haben in Befolgung Eurer Hohen Gnaden Befehl de 25te April jüngsthin denjenigen Balsam, so von Jacob Egger von Aarwangen verfertigt wird, untersucht und geprüffet, und haben befunden, dass solcher der wahre Beaume du Commandeur de Perne seie, welcher also nicht nur unschädlich, sondern in vielen Zufällen sehr nützlich und dienlich sein kann."

Wir vernehmen also, dass es sich um den in Bern bereits bekannten Beaume du Commandeur de Perne handelt. Dieser ist bereits in der Pharmacopoea Wirtenbergica von 1741 als Balsamum Commendatoris de Perne und in der Pharmacopoea Parisiensis von 1760 in allerdings etwas abweichender Zusammensetzung erwähnt. Bereits im Frühjahr 1771 begann er mit der Fabrikation des noch vor wenigen Jahren sehr bekannten Aarwangener-Balsams – dieser wurde noch bis 1981 in Langenthal verkauft.

Die Balsamfabrikanten waren:

  1. Hans Jacob Egger, Tiermann – Frühjahr 1771
  2. Hans Jacob Eggers Witwe – ab September 1771 bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes
  3. Jacob Egger, Tiermannis – bis anfangs 1831
  4. Johann Ulrich Egger, Balsam Ueli, des Jacob und der Katharina Burri, Ehemann der Anna Müller – 1831 bis 1854
  5. Anna Müller, Patenkind Johann Ulrich Eggers, Ehefrau des Johann Jakob Hirsbrunner – ab 1854
  6. Johann Jakob Hirsbrunner – bis 1901
  7. Anna Hirsbrunner – 1901 bis 1904
  8. Ottilie Straub-Müller – 1901 bis 1909
  9. Frau Bertha Hugi-Hugi – ab 1 Januar 1910 bis 1937
  10. Marie Egger-Hugi – ab 1937 bis 1941
  11. Max Hugi, Sohn von Bertha Hugi-Hugi – ab 1941
  12. Unbekannt 
  13. Drogerie Arm Aarwangen
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Glasnegative aus dem Jahre 1920

Aus einer Privatsammlung durften wir diesen noch gut erhaltenen Schatz übernehmen. Es sind sowohl Aufnahmen vom gesamten Tierlihuus, wie auch Ablichtungen jedes einzelnen Sujets.

Im Jahre 1919 wurde das Tierlihuus durch die Einwohnergemeinde erworben und im Jahre 1920 die Fassadenmalerei durch den Kunstmaler Franz Fiechter restauriert. Da einige Ablichtungen noch vor der Sanierung aufgenommen wurden gehen wir davon aus, dass diese Bilder in diesem Zeitraum entstanden sein müssen.

Nach genauerer Betrachtung der einzelnen Sujets stellten wir uns die Frage nach deren Bedeutung.

Viel Spass beim eigenen begutachten und rätzeln.

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"ICH BIN EIN PFERD MIT 6 FÜSE BUSTEAL IST MEIN NAHM, VIEL 100 KÜNSTEN MACHE ICH, MEINES GLEICHEN IST NOCH NIEMAHL GESCHEHEN, JACOB EGGER AUS DEM SCHWITZERLAND AUS DEM LÖBLICHEN KANTON BERN FÜHRT MICH IN EU-ROPA HOCH UND NIDER MIT RUHM UND EHRE,

EIN TAUSEND SIEBEN HUNDERT SIEBEN UND SECHSZIG"

Hatte Hans Jacob Egger in seiner Menagerie wirklich ein Pferd mit sechs echten Füssen? Das wäre auch heute noch eine entsprechende Attraktion.

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Konnte das Pferd einen Rechnungs-Trick vorführen, oder war dies bereits die Ankündigung der 24h Zeitrechnung? Denn diese wurde in der Schweiz erst am 1. Juni 1920 durch den Bundesrat eingeführt.

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Wurde hier das Alfabet bewusst dokumentiert, damit wir einige Generationen später die Sprüche auf der Fassade noch entziffern können? Oder konnte das Pferd schriftliche Befehle entgegen nehmen?

Im Anschluss folgen alle einzelnen Glasnegative in geringer Auflösung.

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Spendenkonto: CH10 0645 0279 3626 5751 7 | Simon Egger, 4912 Aarwangen |  Vermerk: Historisches Aarwangen 

HEgä Egger, Aarwangen | info@hegäegger.ch | 08:00 - 1800 Uhr  076 310 85 63


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