Historische Führung vom Schloss Aarwangen bis ins Dorfzentrum
Schloss Aarwangen
Um 1200 entsteht die Burg durch die Ritter von Aarwangen wohl als Teil des Sicherungssystems der Zähringer. Dokumentiert ist als erster des Geschlechtes Ritter Burkhard von Aarwangen 1194. Die Bedeutenden Reichsritter waren dessen Nachkommen Walter von Aarwangen (1250 - 1320 und Johann von Aarwangen (1280 - 1350)
Die Burg diente hauptsächlich zur Sicherung des Aarenübergangs der von grösster strategischer und wirtschaftlichster Bedeutung war. Die Handelsrute von Nord - Süd ging hier über die Aare.
1339 wird Ritter Johan Mönch und verschenkte die Herrschaft Aarwangen seiner Enkelin Margretha von Kien. Durch deren Heirat mit Peter von Grünenberg wird Aarwangen Teil der Herrschaft Grünenberg.
1375 war der Einfall der "Gugler" die das Ritterhaus zerstörten. Der Wehrturm blieb bestehen. Heinzman von Grünenberg renovierte die Burg wieder und siegelte ab 1382 in ihr.
1432 kaufte Bern die Herrschaft Aarwangen samt Burg von Willhelm von Grünenberg ab.
Ab 1433 bis 1798 wurde Aarwangen durch Landvögte verwaltet. Aarwangen war die bedeutendste und rentabelste Landvogtei von Bern. Somit wurde die Burg von Zeit zu Zeit zu einem Schloss Umgebaut.
1798 Zur Zeit der Helvetik wurde das Schloss an Private verkauft.
1803 kaufte Bern das Schloss zurück und restaurierte die Räume. Das Schloss wurde zum Sitz des Oberamtmannes.
1831 Das Schloss wird zum Amtsgericht mit der Wohnung des Gerichtspräsidenten, des Gerichtsschreibers und des Gefängniswärters.
2012 Nach der Justitzreform im Kanton Bern zieht das Gericht aus.
2025 Das Schloss wird durch die Stiftung Schloss Aarwangen aus dem Dornröschenschlaf aufgeweckt und mit einem neuen atraktiven Erlebnis- und Begegnungsangebot der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Der Umbau dauerte rund 1.5 Jahre und kostete 8.9 Mio CHF.


Schloss Aarwangen mit schönem Schlossgarten 1932

Schloss Aarwangen 1948

Plan des Schlossgutes 1820
Kornhaus
Das Kornhaus wurde in den Jahren 1616/17 für die Einlagerung des Getreidezehnten erbaut. Bereits ein Jahr Später 1618 um ein Stockwerk erhöht. Siehe Materialunterschiede der Fensterleibungen. Der Zimmermeister war Jacob Egger, der auch bereits 1606/07 an Umbauarbeiten im Schloss und 1614/1615 bei Sanierungsarbeiten an der Holzbrücke beteiligt war.
Die Zehnten von Aarwangen betrugen im Jahre 1833 noch 18'300 Liter Getreide. Danach wurden die Zehnten abgeschaft und durch Geldsteuern ersetzt. Das Gebäude wurde vom Kanton weiter genutzt als Werkhof für den Unterhalt der Kantonsstrassen bis zum Neubau an der Wynaustrasse.
Seit 2014 wird das Kornhaus durch die Langatun Distillery AG (Hans Baumberger III) genutzt.

Kornhaus Aarwangen

Amtshaus
Das Amtshaus wurde 1826 durch den Berner Stadtbaumeister Johann Daniel Osterrieth erbaut und als Verwaltungssitz des Amtes Aarwangen bis im Jahre 2009 genutzt. Das Grundbuchamt blieb bis zu den 1970er Jahre und zuletzt war noch als Betreibungs- und Konkursamt ansässig.
Nach der Verwaltungsreform wurde das Haus unter Schutz gestellt und verkauft.
Das Inginieurbüro Fürst Laffranchi kaufte die Liegenschaft und renovierte sie mit starkem Einbezug der Denkmalpflege. Der Einzug war im 2015

Amtshaus Aarwangen nach der Restauration
Kirche
Die Bevölkerung von Aarwangen war in Wynau Kirchengenössig, obwohl der Ritter Walter von Aarwangen bereits um 1280 eine Kapelle im Dorfzentrum (westlich vom heutigen Bahnhöfli Dorf) errichten lies. Nach der Reformation um 1529 durfte auch die Bevölkerung von Aarwangen der Predigt in der Kapelle zuhören. 1539 wurde die Bevölkerung wieder angewiesen sich in allen kirchlichen Dingen ganz an Wynau zu halten.
Da Aarwangen in der Zeit der Reformation die bedeutenste und rentabelste Landvogtei von Bern war bekam Aarwangen die erste reformierte Landeskirche von Bern im Jahre 1577 gebaut. Die Baumeister waren Antoni Stab, Ueli Jordan und Niklaus Hans Dür.
Die Kirche hatte ürsprünglich noch ein Käsbitzdach wie Niederbipp und eine Sonnenuhr wie das Bild von 1825 zeigt. Erst 1831 wurde der aktuelle Kirchturmspitz erbaut. Die Baukosten betrugen damals Fr. 1195.-
Im Jahre 1815 wurde eine Orgel für Fr. 2320.- eingebaut. Das Geld wurde durch Haussammlungen beschafft. Die bemalenen Kirchenfenster stammen fast ausschliesslich von den hiesigen Landvögten (16.-18. Jahrhundert), welche sich auf diese Weise verehwigt haben.

Kirche Aarwangen mit Pfarhaus im Jahre 1825

Reihenhaus
- Baujahr 1836 Jacob & Katharina Obrist.
- Nach dem Tod von Jacob Obrist wird die Liegenschaft 1837 an den 27 jährigen Johann Gottlieb Egger, Sohn des Friedrich Egger Hutmacher verkauft.
- Danach blieb die Liegenschaft während vier Generationen in Egger Besitz bis sie 1969 an Martin Reinmann (Traktorengarage in Schwarzhäusern) verkauft wurde.
- Die einzige Tochter «Sophie-Marie Egger» von Gottlieb Eduard Egger der dritten Generation heiratete 1940 Alfred Järmann aus Burgdorf. Dessen Vater produzierte die bekannte Schuhcreme "Burgol". Burgol setzt sich aus den beiden Wörter Burgdorf und Oel zusammen. Somit wurde zu Beginn auch mit dem Schloss Burgdorf geworben. Ab 1940 bezog die Firma in diesem Haus neue Produktionsräume und wechselte das Schloss Burgdorf im Logo mit dem Schloss von Aarwangen aus. 1946 zerstörte ein verheerender Grossbrand die Produktionsanlage und forderte sogar Verletzte. 1983 verkaufte die Familie Järmen die Marke Burgol an die H. Siegenthaler AG in Herzogenbuchsee. Die Schuhcreme wird heute immer noch in Handarbeit gefertigt einfach unter der neuen Marke "Siegol" (Siegenthaler - Oel).

Schuhcrem Burgol mit dem Schloss Aarwangen

Reihenhaus 2018 mit roter Telefonkabine
Blaues Haus
- Erbaut 1766 von Conrad Egger, Neffe des Tiermanns, Krämer und Strumpfweber.
- Anfangs der 1980er Jahren wurde das Haus für die Strassenverbreiterung zum Abriss freigegeben.
- 1983 durch Verschiebung um 5.5 m nach hinten vor dem Abriss gerettet worden.

Blaues Haus erbaut 1766 von Conrad Egger

Links, Blaues Haus ca. 1980 noch ganz an der Strasse

Blaues Haus nach Versetzung um 5.5 m ca. 1983

Blaues Haus nach der Renovation 1985
Tierlihuus
Hans Jacob Egger (Tiermann) war Menageriebesitzer und zog ab 1716 mit seinen wilden und exotischen Tieren während rund 50 Jahren durch alle Länder Europas. Mit der Schaustellung seiner Tiere verdiente er nicht nur sein Unterhalt, sondern konnte nebenbei ein Vermögen von 18’000 Pfund ersparen. Als 70-jähriger und reicher Mann kehrte er nach Aarwangen zurück und liess sich 1767 das auch heute noch wertvolle und wunderschöne Tierlihaus in Aarwangen bauen. Während seinen Reisen kam Hans Jacob Egger zudem in den Besitz eines geheimen Rezeptes für ein Heilmittel. 1771 begann er mit der Fabrikation des noch vor wenigen Jahren sehr bekannten Aarwangener-Balsams – dieser wurde noch bis 1981 in Langenthal verkauft.

Tierlihuss 2022

Flasche mit Aarwanger Balsam 1980
- Jakob Egger (Tiermannis) liess dann zu ehren seines Vaters die Fassade mit den wilden Tieren bemalen.
- Das Gebäude blieb drei Generationen in Eggers Besitz bis es über das Patenkind Anna Müller-Hirsbrunner in die Linie der Hirsbrunner kam.
- Auch die Fabrikation des Aarwanger Balsam wurde in Linie weitergegeben.
- 1919 wurde das Tierlihaus von der Gemeinde bei einem Steigerungskauf für 22'100.- Franken erworben und anschliessend die Fassadenbemalung durch Franz Fiechter restauriert.
- In den Jahren 1982 – 1995 wurde es dann erneut für sehr viel Geld in mehreren Etappen restauriert. Erste Bauetappe war der Rückbau der Stallung im Jahre 1982 welcher 1983 durch einen Neubau ersetzt wurde. Kostenpunkt 250'000.- Franken.
- Da das Tierlihuus von Nationaler Bedeutung Kategorie A eingestuft wurde, ist die Gemeinde dazu verpflichtet den Unterhalt zu gewährleisten. Derzeit wird die Fassade alle 7 Jahre aufgefrischt und der Unterhalt dieses Gebäudes Kostet jeden Steuerzahler von Aarwangen rund 25.- Franken pro Jahr.
- Die oberen Stockwerke des Gebäudes wurde bis zur Fertigstellung des Dienstleistungszentrums für den Sozialdienst der Gemeinde genutzt. Die anderen Räumlichkeiten konnten für Ausstellung, oder Anlässe gemietet werden.
- In Zukunft wird sich möglicherweise die Kirchgemeinde und der Samariterverein in den oberen Stockwerken einmieten und im Unteren Bereich soll die Dorfstube seinen Platz bekommen.

Tierlihuus mit altem Anbau

Tierlihuus ohne Anbau 1982

Tierlihuus mit neuem Anbau 1983
Bahnhöfli Dorf
Bereits 1871 bemühte sich Aarwangen um einen Bahnanschluss zu erhalten. Die Idee der Jura - Gotthard - Bahn wurde unterstützt und mit Aktienverkäufen Geld gesammelt. Es war eine Normalspurbahn geplant, die von Dell über Delsberg – Münster – Welschenrohr – Klus – Aarwangen – Langenthal – St. Urban – Altbüron – Wauwil – Luzern – Stans nach Alt- dorf verlaufen sollte. Doch während der Wirtschaftskriese sties die Geldbeschaffung auf schwierigkeiten und der Bau musste eingestellt werden. Die 3.5 Millionen Franken die der Bau bereits verschlungen hatte gingen den Aktionären verlohren.

1907 bekam Aarwangen doch noch einen Bahnanschluss durch die Schmalspurbahn der Langenthal - Jura - Bahn (LJB) Diese betrieb die Strecke Langenthal - Aarwangen - Niederbipp - Oensingen. 1958 fusionierte sie mit der Langenthal - Melchnau - Bahn und wurde zur Oberaargau - Jura - Bahn (OJB) umgetauft. 1990 änderte die OJB ihren nahmen in Regionalverkehr Oberaargau (RVO). 1999 fusionierte sie mit drei weiteren Verkehrsunternehmen und erlangte den heutigen Namen Aare Seeland mobil (ASm).

Dorfzentrum
Das Dorfzentrum hat sich in den letzten Jahren immer wieder stark verändert. Ein Grund für die starke Veränderung finden wir bei der zunahme des Strassenverkehrs. Wo Früher noch keine Autos unterwegs waren, fahren heute täglich rund 17'000 Autos durch unser Dorf. Der Durchgangsverkehr forderte viel mehr Platz und so wurde in den 1980er Jahren mehrere Gebäude abgerissen, oder Versetzt.

Dorfzentrum um 1910

Dorfschulhaus & Restaurant Post

Restaurant Post

Dorfzentrum um 1900 Sicht aus dem Turm der Mühle

Swisstopo Luftaufnahme von Dorfzentrum Aarwangen aus dem Jahre 1942
Spendenkonto: CH10 0645 0279 3626 5751 7 | Simon Egger, 4912 Aarwangen | Vermerk: Historisches Aarwangen
HEgä Egger, Aarwangen | info@historischesaarwangen.ch | 08:00 - 1800 Uhr 076 310 85 63





